Apfelpita nach Omas Art – Traditioneller Apfelkuchen aus Kroatien
Als Kind liebte ich es, meine Ferien bei meinen Großeltern in Bosnien zu verbringen. Meine Großmutter Helena war eine außergewöhnliche Konditorin – niemand konnte ihren Backkünsten das Wasser reichen. Zwar lebten meine Großeltern in Bosnien und Herzegowina, doch stammte meine Großmutter ursprünglich aus Slawonien, einer Region im Osten Kroatiens. Diese „kroatische Kornkammer“ ist weit über ihre Grenzen hinaus für ihre reiche kulinarische Tradition bekannt.
Slawonien – wo Kulturen zusammen schmecken
Slawonien grenzt an Serbien, Bosnien und Ungarn – und genau darin liegt eines der Geheimnisse seiner Küche: In ihr vereint sich das Beste vieler Kulturen, die über Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen haben – die osmanische, bosnische, kroatische, ungarische, österreichische, italienische, tschechische und jüdische. Die Eltern meiner Großmutter stammten aus Deutschland und Italien und lebten in der slawonischen Stadt Požega. So übernahm meine Großmutter die Koch- und Backtraditionen ihrer Mutter und führte sie in unserer multikulturellen Familie weiter.
Familienzeit, Felder und Weinberge
Oft fuhren wir gemeinsam zu unseren Verwandten nach Požega. Schon als Kind spürte ich, was das bedeutete: gemeinsames Schlemmen mit Verwandten, viel Lachen, Musik und Lebensfreude. Ich verbrachte meine Zeit mit meinen Cousins und Cousinen auf den weiten Feldern und in den Ställen unserer Familie – es ist dort ganz normal, dass viele Familien eigene Höfe besitzen. Verstecken in den Weinbergen war der Hit! Und nie in meinem Leben habe ich einen besseren Osterschinken gegessen als den selbstgemachten meines Onkels Tomo.
In späteren Jahren kam ich auch in den Genuss des Hausweins, denn:
Was dem Bosnier sein Slivovitz ist, das ist dem Slawonier sein hervorragender Wein.
Die Apfelpita meiner Großmutter
Ein Blechkuchen hatte es mir ganz besonders angetan. Großmutter Helena backte ihn bei jeder unserer Ankünfte in Jugoslawien eigens für meinen Vater und mich. Schon im Treppenhaus empfing uns der Duft dieses Kuchens und ließ nach der über zwölfstündigen Autofahrt all die Strapazen vergessen.
Papi und ich waren verrückt nach der slawonischen Apfelpita (Epflpita) – ein mürber Teig mit einer saftigen Apfelfüllung. Die Pita war so zart, dass sie im Mund zerfiel. Traf der leicht säuerliche Apfel auf die Zunge, war das ein erfrischender Kick, der sofort munter machte. Ein unvergessenes Geschmackserlebnis.
Trauer, Erinnerung und Trost
Als meine Großmutter 1991 starb, konnte ich diesen Kuchen zunächst aus Trauer nicht mehr essen. Die Erinnerungen an ihren Verlust waren zu schmerzhaft. Doch irgendwann änderte sich das. Heute bin ich glücklich, wenn ich ein Stück davon koste – und erinnere mich voller Dankbarkeit an meine Zeit als Enkeltochter bei meinen wundervollen Großeltern.
Respekt vor dem Rezept
Viele Jahre lang wagte ich mich selbst nicht an diesen Kuchen. Zu groß war der Respekt, zu groß die Angst zu scheitern. Zum Glück erbten alle drei Töchter – meine Mutter eingeschlossen – die Backkunst von Oma Helena. Dennoch schmeckte die Apfelpita für mich weiterhin am besten in Bosnien, wenn meine Tante Marina sie zubereitete. Nur unter dem Himmel des Balkans, so schien es mir, konnte sich ihr voller Geschmack entfalten.
Der erste eigene Versuch
Doch dann überwand ich meine Blockaden. Ich startete mein eigenes Projekt: slawonische Apfelpita à la Oma Helena, hergestellt in Deutschland. Ich wollte die Familientradition der Frauen auf der Seite meiner Mutter weiterführen – und genauso gut backen. Großmutter sollte stolz auf mich sein. Und meine Eltern wollte ich überraschen.
Der erste Versuch gelang. Ein glückliches Lächeln breitete sich auf den Gesichtern meiner Eltern aus, und meine Mutter sagte grinsend:
„Lelo, du hast bestanden!“

Ein Kuchen, der verbindet
Wir saßen beisammen, aßen den Kuchen und lachten über alte Geschichten und Erinnerungen. Das tat so gut. Seitdem wird er regelmäßig gebacken – und ich teile ihn gern mit lieben Menschen, mit denen ich Zeit verbringen darf.
Dieses kulinarische Glück, das die Seele Slawoniens in sich trägt, möchte ich hier vorstellen. Die Apfelpita ist nicht schwer in der Herstellung – man braucht lediglich etwas Zeit und Liebe.
Die Zutaten:
- 500 gr. Mehl (Weizenmehl Typ 405 oder Dinkelmehl Typ 630)
- 250 gr. weiche Margarine
- 100 gr. Zucker (Weiss- oder Rohrohrzucker)
- 1 mittelgroßes Ei
- 1 Packung Weinstein-Backpulver
- 2 kg. saure Äpfel (ideal sind Boskop)
- Saft einer unbehandelten Zitrone
- Zimt

Weiche Margarine mit dem Zucker und Ei schaumig schlagen. Nach und nach das mit Backpulver vermischte Mehl unterheben. Zu einem glatten Teig kneten, bis er an den Händen nicht mehr kleben bleibt. Zu einer Kugel formen, in Klarsichtfolie packen und für eine Stunde in den Kühlschrank legen.
Die Äpfel waschen, schälen, entkernen und raspeln. Mit Zitronensaft beträufeln und mit Zimt und etwas Rohrohrzucker bestreuen. Falls erwünscht, können gehackte Nüsse mit vermengt werden.
Den Teig in zwei gleich große Teile schneiden. Zu einem dünnen Teil ausrollen. Damit er nicht bricht, am besten zwischen zwei Backpapieren ausrollen. Einen ausgerollten Teil in einem gefetteten Blech auslegen. Mit einer Gabel Löcher einstechen. Die geraspelten Äpfel gleichmäßig darauf verteilen und den zweiten ausgerollten Teil darüber legen. Auch hier mit einer Gabel Löcher ausstechen.

Im auf 180 Grad vorgeheizten Ofen 40 Minuten backen, bis der Teig goldbraun ist. Danach abkühlen lassen und evtl. mit Puderzucker bestreuen. In Würfel schneiden und servieren.
Das Dessert kann kann auch nach einem reichlichen Mahl gereicht werden. Hören Sie dazu ein wundervolles Lied von „Slavonske Lole“, um den slawonischen Geist bei Verzehr der Speise noch mehr zu spüren:
Tamo gdje su žitna polja, tamo gdje se klasje svija. Dort, wo die Getreidefelder sind, dort wo sich die Ähren krümmen.
Tamo gdje je rijeka Sava, tamo gdje su dobri ljudi. Dort wo der Fluß Save ist, dort, wo die guten Menschen sind.
Tamo gdje su vinogradi,tamo gdje su dobra vina. Dort, wo es Weinberge gibt, dort wo es gute Weine gibt.
Tu je moje rodno selo, tu je moja Slavonija, tu je moja šokadija. Dort ist mein Geburtsort, dort mein ist Slawonien, dort ist meine Sokadija.
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=RrNEwZOZpPU&w=420&h=315]
Ich danke meiner Großmutter, dass sie mir einen Teil von Slawonien mitgegeben hat und es ist mir eine Ehre, etwas von dieser kulinarischen Kultur in die Welt hinaus tragen zu dürfen.
Wie wir wissen: Liebe geht durch den Magen! Danke Slawonien, danke Oma Helena!
Unsere kulinarische, süße Reise geht weiter! Entdeckt auch das traditionelle Rezept der bosnischen Hurmašice von meiner Tante Nadja.
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Ich denke, das wird der nächste Apfelkuchen sein, den ich backen werde.
Der sieht köstlich aus!
Viel Spass bei Backen! Und falls Du Fragen haben solltest, melde Dich einfach:-))
Ich denke das werde ich so hinkriegen:-)
So genau wie du das beschrieben hast.
(Y)