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Warum die ganze Welt Srebrenica besuchen sollte

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Jeden 11. Juli jährt sich der Genozid von Srebrenica. Zehntausende kommen dann nach Potočari – doch dieser Ort sollte nicht nur an Gedenktagen besucht werden. Und nicht nur von Europäern. Warum Srebrenica ein Ort für die ganze Menschheit ist.

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Der Weg nach Srebrenica

Die Fahrt von Sarajevo in die ostbosnische Stadt Srebrenica führt durch eine wunderschöne Landschaft. Grüne Hügel, Flusstäler, Dörfer, in denen die Zeit langsamer zu vergehen scheint. Wer diese Strecke zum ersten Mal fährt, kann kaum glauben, dass diese friedliche Gegend Schauplatz eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg war.

Am 11. Juli 1995 stürmten serbische Einheiten die UN-Schutzzone Srebrenica. Unter den Augen niederländischer UN-Blauhelme wurden in den folgenden Tagen mehr als 8.000 Bosniaken ermordet – Männer und Jungen, darunter Minderjährige – und in Massengräbern verscharrt. Überlebende suchen bis heute nach ihren Angehörigen. Die gefundenen sterblichen Überreste werden jedes Jahr am 11. Juli in Potočari beigesetzt.

Ich berichte seit vielen Jahren über Srebrenica. Meine erste Geschichte darüber entstand noch während meiner Zeit bei Vanity Fair – es war die Begegnung mit Hatidža Mehmedović, der Gründerin der Mütter von Srebrenica, die ihren Mann und ihre beiden Söhne im Genozid verlor. Zum 15. Jahrestag sprach ich mit Christian Schwarz-Schilling, dem früheren Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina – jenem Mann, der 2007 das Gesetz über das Memorial Center Srebrenica-Potočari erließ. Srebrenica hat mich journalistisch nie losgelassen. Und je öfter ich dort war, desto klarer wurde mir: Dieser Ort geht nicht nur Bosnien etwas an. Nicht nur Europa. Er geht die ganze Welt etwas an.


Warum Srebrenica der ganzen Welt gehört

Der Genozid von Srebrenica geschah nicht im Verborgenen. Er geschah in einer Schutzzone der Vereinten Nationen – der ersten, die je ausgerufen wurde. Er geschah unter den Augen der internationalen Gemeinschaft, mitten im Fernsehzeitalter, fünfzig Jahre nach dem Versprechen „Nie wieder“. Das ist keine bosnische Lektion und keine europäische. Es ist eine universelle Lektion über das Versagen der Weltgemeinschaft – und darüber, was geschieht, wenn die Welt wegsieht.

Die Mechanismen, die nach Srebrenica führten, sind überall dieselben: Dehumanisierung der Nachbarn, Propaganda, das Schweigen der Zuschauer – und danach die Leugnung. Sie wiederholen sich, auf allen Kontinenten, bis heute. Wer verstehen will, wie Genozid entsteht und wie er geleugnet wird, findet in Srebrenica den vielleicht am besten dokumentierten Fall der Gegenwart: Internationale Gerichte haben die Verbrechen als Genozid eingestuft, 54 Täter wurden zu insgesamt 781 Jahren Haft und fünfmal lebenslänglich verurteilt – darunter Radovan Karadžić, der politische Führer der bosnischen Serben und Kriegspräsident der Republika Srpska, und Ratko Mladić, der Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Armee, der am 11. Juli 1995 persönlich in Srebrenica einmarschierte.

Die Vereinten Nationen selbst haben inzwischen anerkannt, dass dieses Gedenken global ist: Die UN-Generalversammlung erklärte 2024 den 11. Juli zum Internationalen Tag des Gedenkens an den Genozid von Srebrenica.


Die Mütter von Srebrenica: Aus dem größten Schmerz die stärkste Kraft

Es sind vor allem Frauen, die von Srebrenica aus Frieden in die Welt tragen. Die Mütter von Srebrenica – Frauen, deren Männer, Söhne und Brüder ermordet wurden – hätten allen Grund zu Hass. Stattdessen wurden sie zur moralischen Instanz des Landes: Sie kämpften vor Gerichten, vor den Vereinten Nationen, vor der Weltöffentlichkeit – nicht für Rache, sondern für Wahrheit, Gerechtigkeit und die Würde ihrer Toten.

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Mirella Sidro bei den Müttern von Srebrenica 2025 (Foto: Mirella Sidro)

Als ich die Mütter zum ersten Mal besuchte, während eines Emmaus Boot Camps, lebten sie noch in ihren Häusern, viele von ihnen allein, verstreut in den Dörfern um Srebrenica. Heute leben sie im Seniorenheim, das eigens für sie in Potočari erbaut wurde. Dort verbringen sie ihren Lebensabend – in Sichtweite der Gräber ihrer Söhne. Und dort empfangen sie Besucher.

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Foto: Mirella Sidro

Ich werde niemals vergessen, als eine der Mütter meine Hand zum ersten Mal nahm. Dieser safte aber kraftvolle Druck – entschlossen und doch voller Liebe! Erst beim Abschied hatte ich Tränen, bewusst, welches Privileg ich hatte, Mitch mit ihr zu unterhalten. Mit einer Zeitzeugin eines der schrecklichsten Kapitel ind er europäischen Geschichte. Und ich war mir dessen bewusst, dass dies ein Moment in meinem Leben ward er mich veränderte und bis heute prägt. Diese Frauen sind Friedensbotschafterinnen, die zu einer besseren Gegenwart und Zukunft beitragen.

Das ist einer der menschlichsten Gründe, nach Srebrenica zu reisen: Man kann diesen Frauen noch begegnen. Man kann ihnen zuhören, ihre Hände halten, von ihnen lernen, wie man den größten Schmerz in Friedensarbeit verwandelt. 


Hasan Hasanović: „Wir müssen ihre Stimme sein“

Die meisten Besucher kommen heute zum Memorial Center und zum Friedhof im Dorf Potočari bei Srebrenica, wo sich einst die Hauptbasis der niederländischen UN-Schutztruppen befand. Dort arbeitet Hasan Hasanović. Im Juli 1995 floh er mit seinem Zwillingsbruder, seinem Vater und seinem Onkel aus Srebrenica durch die Wälder Richtung Tuzla. Er war der Einzige seiner Familie, der den sogenannten Todesmarsch überlebte.

„Meine ermordeten Familienangehörigen und alle anderen Opfer sind der Grund, warum ich nach Srebrenica zurückgekehrt bin“, erzählte er mir bei einem meiner Besuche. „Sie können nicht mehr für sich selbst sprechen. Wir müssen jetzt ihre Stimme sein.“

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Hasan Hasanović

Hasan erinnert sich noch gut daran, wie wenig Interesse die internationale Gemeinschaft anfangs am Genozid zeigte. Dass sich das änderte, ist dem Einsatz der Überlebenden zu verdanken, die unermüdlich weltweit davon berichteten – und den Müttern von Srebrenica, die die Vereinten Nationen zwangen, die Opfer zu suchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Einer ihrer größten Erfolge: die Srebrenica-Resolution der UN-Generalversammlung.

Dennoch fällt es Hasan schwer, optimistisch zu bleiben. Das Land hat seine Vergangenheit nicht aufgearbeitet; politische Instabilität und Abwanderung setzen ihm zu. Und doch gibt er nicht auf: Er hat Bücher geschrieben, hält Vorträge auf der ganzen Welt, und besonders die Arbeit mit jungen Menschen ist ihm wichtig. „Es schärft ihr Bewusstsein dafür, dass der Genozid nicht mehr geleugnet werden kann und Geschichtsrevisionismus nicht mehr möglich ist.“


Die Blume von Srebrenica: Warum wir sie tragen – und verschenken

Wer den Müttern begegnet, wird ihr Symbol kennenlernen: die Blume von Srebrenica. Elf weiße Blütenblätter um eine grüne Mitte – die elf Blätter stehen für den 11. Juli, das Weiß für die Unschuld der Ermordeten und für das Meer der weißen Grabstelen in Potočari, das Grün für die Hoffnung, dass so etwas nie wieder geschieht. Nirgendwo. Niemandem.

Entworfen wurde die Blume von Jasminka Čamdžić vom Frauenverein „Gračaničko keranje“, dessen Mitglieder sie bis heute in der traditionellen bosnischen Handarbeitstechnik Keranje fertigen – Stich für Stich, von Hand, jede ein Unikat. [Ich habe über die Blume der Erinnerung bereits ausführlich geschrieben](https://lelaswelt.de/balkan/srebrenica-genozid-blume-der-erinnerung-symbol-fuer-frieden/).

Am Revers getragen ist sie das, was die Mohnblume für das britische Gedenken ist: ein stilles, sichtbares Bekenntnis. *Ich erinnere mich. Ich schaue nicht weg.* Wer sie trägt, macht Erinnerung öffentlich – gegen das Vergessen und gegen die Leugnung des Genozids, die bis heute andauert.

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Und dann ist da die Idee, die dieser Blume von Anfang an mitgegeben wurde: Die Schöpferinnen in Gračanica wollten, dass ihre gehäkelte Blume verschenkt und nicht kommerzialisiert wird. „Unser Wunsch ist, dass diese Blume verschenkt wird“, sagt Azemina Ahmedbegović, die Vorsitzende des Vereins. Natürlich gibt es die Blume von Srebrenica heute auch zu kaufen – als Anstecker, als silberne Filigranarbeit, deren Erlös teils Stipendien für junge Menschen aus Srebrenica finanziert. Doch ihr Kern bleibt das Weitergeben: Jede verschenkte Blume ist eine weitergegebene Erinnerung. Sie wandert von Hand zu Hand, von Land zu Land, und trägt die Geschichte von Srebrenica dorthin, wo sie noch nicht angekommen ist.

Darin liegt der Kern dieses Textes: Ein Symbol, das zum Verschenken gedacht ist, gehört niemandem – und damit allen. „Die Blume ist nicht nur für Srebrenica“, sagt Ahmedbegović. „Sie steht für jeden von uns. Wir alle sind Srebrenica.“


Der Marsch, der die Richtung umkehrt: Marš mira

Jedes Jahr vom 8. bis 10. Juli machen sich Tausende Menschen auf einen besonderen Weg – zuletzt regelmäßig mehr als 6.000 Teilnehmende aus Bosnien-Herzegowina und der ganzen Welt: Der Marš mira, der Friedensmarsch, führt in drei Tagesetappen über rund 100 Kilometer von Nezuk nach Potočari – durch Wälder, über Bergrücken, vorbei an Orten mit Namen, die in Bosnien jeder kennt: Crni Vrh, Kamenica, Buljim.

Die Route folgt in umgekehrter Richtung dem Todesmarsch von 1995. Damals versuchten sich 12.000 bis 15.000 Menschen, überwiegend Männer und Jungen, durch diese Wälder auf freies Territorium durchzuschlagen – ohne Wasser, ohne Nahrung, ohne Medikamente, unter ständigem Beschuss, durch Hinterhalte und Minenfelder. Für Tausende war es der letzte Weg.

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Marš Mira, der Marsch des Friedens 2025 (Foto: Sejfudin Dizdarević)

Die Teilnehmer des Friedensmarsches gehen denselben Weg – aber in die andere Richtung: nicht auf der Flucht, sondern aufrecht, im Gedenken. Unterwegs finden „Geschichtsstunden“ an historischen Orten statt, Überlebende des Todesmarsches erzählen – manche von ihnen laufen selbst mit, Jahr für Jahr. Am 10. Juli erreicht die Kolonne Potočari, am Vorabend der Gedenkfeier und der kollektiven Beisetzung.

Und hier zeigt sich im Kleinen, was im Großen gelten sollte: Am Marš mira nehmen längst Menschen von fast allen Kontinenten teil. Der Marsch ist der lebende Beweis, dass Srebrenica ein Ort weltweiter Erinnerung sein kann.


Ramiz Nukić: Der Mann, der die Toten nach Hause brachte

Eine Geschichte muss erzählt werden, wenn es um Srebrenica geht – die von Ramiz Nukić aus Kamenica bei Bratunac. Er überlebte 1995 selbst den Todesmarsch; sein Vater und seine Brüder wurden auf diesem Weg ermordet.

Nach seiner Rückkehr in sein Heimatdorf unterhalb des Kameničko Brdo begann er, in den umliegenden Wäldern nach den Gebeinen seiner Angehörigen zu suchen. Als er sie gefunden hatte, hörte er nicht auf. Er suchte weiter – für die anderen. Über zwei Jahrzehnte durchkämmte er Tag für Tag die Wälder, auch vermintes Gelände, und übergab dem Institut für vermisste Personen die sterblichen Überreste von rund 300 Menschen. Geld hat er dafür nie verlangt. Man nannte ihn den „Knochensammler von Kamenica“.

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Ramiz Nukić (Foto: Ado Hasanović)

„Ich mache das, um den Familien eine Freude zu machen – auch wenn es keine richtige Freude ist“, sagte er einmal. „Aber wenn man die Knochen findet, weiß man wenigstens, wo man seine Liebsten beerdigen kann. Ich weiß, wie schwer es für mich war, bevor die Knochen meines Vaters und meiner Brüder gefunden wurden.“

Ramiz Nukić starb im November 2022 im Alter von 63 Jahren, nach schwerer Krankheit. Sein Vermächtnis sind Namen auf Grabsteinen, wo vorher nur Ungewissheit war.


Was man in Potočari sieht

Die Gedenkstätte und der Friedhof Srebrenica-Potočari liegen im Dorf Potočari, wenige Kilometer von Srebrenica entfernt – direkt gegenüber der ehemaligen Batteriefabrik, in der das niederländische UN-Bataillon Dutchbat sein Hauptquartier hatte. Hierher flohen im Juli 1995 Tausende in der Hoffnung auf Schutz. Für viele wurde der Ort zur letzten Station.

Die erste kollektive Beisetzung fand am 31. März 2003 statt: 600 identifizierte Opfer. Offiziell eröffnet wurde das Memorial Center am 20. September 2003 vom früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Heute ruhen mehr als 6.700 Opfer des Genozids in Potočari; nach rund 1.000 Vermissten wird noch immer gesucht.

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Foto: Mirella Sidro

Wer das Tal betritt, steht vor einem Meer aus weißen Stelen. Reihe um Reihe, Name um Name – und immer wieder derselbe Nachname, mehrfach: Väter neben Söhnen, Brüder neben Brüdern. Auf der anderen Straßenseite, in der ehemaligen Fabrikhalle, erzählt die Ausstellung die Geschichte der Schutzzone: persönliche Gegenstände der Ermordeten, Zeugnisse der Überlebenden, der restaurierte Betonkubus mit der Aufschrift „UN“.

Und man begreift dort ein Detail, das die ganze Ungeheuerlichkeit dieses Verbrechens fasst: Um ihre Taten zu vertuschen, öffneten die Täter im Herbst 1995 die Massengräber mit schwerem Gerät und verteilten die Toten auf Sekundärgräber. Deshalb wurden die Überreste einzelner Opfer in mehreren – teils bis zu fünf – verschiedenen Gräbern gefunden. Deshalb werden in Potočari bis heute Gräber wieder geöffnet, um nachträglich gefundene Gebeine hinzuzulegen. Und deshalb liegt in manchem Sarg, der am 11. Juli zu Grabe getragen wird, ein einziger Knochen.

Das jüngste Opfer, das in Potočari beigesetzt wurde, ist ein Neugeborenes: Fatima Muhić. Sie kam in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1995 – der Nacht nach dem Fall Srebrenicas – in der UN-Basis von Potočari zur Welt und starb noch in derselben Nacht. Erst 2012 wurde sie identifiziert; 2013 wurde sie neben ihrem Vater Hajrudin beigesetzt, der auf dem Todesmarsch ermordet worden war. Ihren Namen bekam sie erst zur Beisetzung – achtzehn Jahre nach ihrem Tod erfüllte sich der Wunsch ihrer Mutter, sie Fatima zu nennen. Das älteste Opfer, Šaha Izmirlić, wurde 1901 geboren.


Die Zukunft ist dennoch Licht

Wer nach Srebrenica reist, besucht nicht nur Gräber. Das ist vielleicht das Wichtigste, was ich nach all meinen Besuchen sagen kann.

In Srebrenica findet mit dem Silverframe Filmfestival junges Kino statt – internationale Gäste, Filme, Gespräche: Kultur als Lebenszeichen an einem Ort, den viele nur mit dem Tod verbinden. Beim Emmaus Boot Camp kommen junge Menschen aus verschiedenen Ländern nach Ostbosnien, begegnen Überlebenden, packen mit an und lernen – gelebte Erinnerungskultur statt Betroffenheitstourismus. Ich durfte selbst dabei sein und habe erlebt, wie aus Begegnung Verständnis wird und aus Verständnis Verantwortung.

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Der bosnisch-italienische Regisseur Ado Hasanović, Gründer des Silverframe Filmfestivals, und Mirella Sidro (Foto: Mirella Sidro)

Wer nach Srebrenica kommt, begegnet Menschen, die aus dem Dunkelsten heraus Zukunft bauen: Hasan mit seiner Bildungsarbeit. Die Mütter mit ihrer Versöhnungskraft. Die Frauen von Gračanica mit ihren Blumen. Junge Filmemacher, Freiwillige aus aller Welt.

Srebrenica bittet nicht um Mitleid. Es bittet darum, gesehen zu werden – von der ganzen Welt. Denn nur was die Welt gesehen hat, kann sie nicht mehr leugnen. Und nur wer versteht, wie es geschehen konnte, kann verhindern, dass es wieder geschieht. Irgendwo. Irgendwann.

Deshalb sollte jeder Mensch einmal in diesem Tal gestanden haben. Nicht nur Europäer. Die ganze Welt.


Srebrenica besuchen: Praktische Hinweise

Anreise: Von Sarajevo sind es rund zweieinhalb bis drei Stunden mit dem Auto Richtung Nordosten. Wer über Bratunac fährt, passiert kurz vor Potočari das Tal, durch das 1995 der Todesmarsch führte.

Memorial Center: Die Gedenkstätte ist täglich von 8:00 bis 16:00 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Führungen mit Kuratoren und Übersetzern sind möglich – Gruppen sollten sich vorab anmelden (posjeta-visit@srebrenicamemorial.org). Für den Friedhof und die Ausstellung in der ehemaligen Batteriefabrik sollte man mindestens einen halben Tag einplanen.

Verhalten vor Ort: Potočari ist ein Friedhof und ein Ort der Trauer. Angemessene Kleidung ist selbstverständlich – Schultern und Knie bedeckt, und Frauen bedecken beim Besuch des Friedhofs ihr Haar, ein Tuch oder Schal im Gepäck genügt. Zurückhaltung beim Fotografieren gehört ebenfalls dazu, besonders bei Beisetzungen und gegenüber Angehörigen.

Begegnungen: Die Mütter von Srebrenica empfangen Besucher in ihrem Seniorenheim in Potočari; Anfragen am besten über das Memorial Center. Wer im Juli reist, kann den Marš mira (8.–10. Juli) und die Gedenkfeier am 11. Juli erleben – sollte sich aber bewusst sein, dass diese Tage den Familien der Opfer gehören.


Die Fakten zum Vertiefen – in zwei Begleitbeiträgen:

Srebrenica: Die Chronologie – von 1992 bis heute – Alle wichtigen Daten auf einen Blick: vom Beginn der Belagerung über die Urteile gegen Karadžić und Mladić bis zur UN-Resolution. Und die Geschichte einer Entschuldigung, die wieder zurückgenommen wurde.

Was du über Srebrenica wissen solltest – Die zehn Fakten, die jeder kennen sollte: vom jüngsten Opfer über den Knochensammler von Kamenica bis zur Blume, die zum Weiterschenken gedacht ist.

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