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Die bosnischen Pyramiden und ihre Tunnel: Energie, ja oder nein?

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Ich gebe es gleich zu Beginn zu: Als Ägyptologin halte ich nicht viel von den „bosnischen Pyramiden“. Ob es sie überhaupt gibt, also ob diese Hügel bei Visoko tatsächlich von Menschenhand errichtete Pyramiden sind, davon hat mich fachlich bislang nichts überzeugt. Osmanagić selbst spricht von gleich fünf Pyramiden im Tal, die er „Sonne“, „Mond“, „Drache“, „Liebe“ und „Mutter Erde“ getauft hat, die größte, die Sonnenpyramide, soll mit ihren rund 220 Metern sogar die Cheops-Pyramide von Gizeh überragen. Vor vielen Jahren habe ich sogar einmal ein Interview mit Sam Osmanagić geführt, jenem Mann, der die Pyramiden „entdeckt“ hat. Ein ausgesprochen charismatischer Mensch, das muss man ihm lassen, aber was die fachliche Kompetenz angeht, hat er mich, ehrlich gesagt, nicht überzeugt. Und doch bin ich hingefahren. Denn was mich gereizt hat, waren nicht die Pyramiden selbst, sondern das, was unter der Erde liegt: das weitverzweigte Tunnelsystem Ravne.

Addis Elias Fejzić – Mit einem Künstler ins Labyrinth

Begleitet wurde ich von einem sehr guten Freund: Addis Elias Fejzić, einem bekannten australisch-bosnischen Künstler, der für den Park rund um die Anlage selbst einige Skulpturen geschaffen hat. Gemeinsam sind wir in die Tunnel hinabgestiegen, von denen rund 500 Meter für Besucher freigegeben sind. Das Labyrinth selbst soll sich laut Geo-Radar über mehrere Kilometer erstrecken, und die Entfernung bis zur sogenannten Sonnenpyramide beträgt etwa drei Kilometer.

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Foto: Mirella Sidro

Visoko – Vom Dornröschenschlaf zum Touristenboom

Schon bei der Ankunft wird sichtbar, was die Pyramiden bewirkt haben: Sie haben das über Jahrhunderte eingeschlafene Städtchen Visoko wieder zum Leben erweckt. Eine ganze Straße voller Kioske führt vom Eingang bis zum Park Ravne, einer künstlich angelegten Anlage, auf der es sogar einen Tennisplatz gibt, errichtet für das Training von Profis. Der Ort profitiert sichtbar vom internationalen Touristenboom: Reisende aus Polen, Tschechien, Slowenien und längst aus aller Welt pilgern hierher. Osmanagić selbst spricht von über 200.000 Besuchern pro Jahr, eine Zahl, die von ihm beziehungsweise seiner Stiftung stammt und die ich als gute Skeptikerin nicht überprüfen kann, die aber den spürbaren Aufschwung gut illustriert. Für eine Region, die lange übersehen wurde, bedeutet das neue Arbeitsplätze und neue Hoffnung.

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Foto: Mirella Sidro

Dabei ist Visoko alles andere als geschichtslos. Im Mittelalter zählte die Stadt zu den wichtigsten königlichen Stützpunkten des Landes, hier residierte um das Jahr 1200 Kulin Ban, einer der berühmtesten Herrscher Bosniens. Von dieser „hohen Stadt“, wie der Name Visoko bedeutet, zeugt bis heute die Ruine der alten Burg Visoki aus dem 14. Jahrhundert, die auf der Spitze der sogenannten Sonnenpyramide thront, ein echtes Stück Geschichte über dem umstrittenen Mythos.

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Foto: PR

Kühle Luft und eine besondere Frequenz

Was draußen an diesem Tag glühend heiß war, verwandelte sich drinnen in eine angenehme Kühle von rund zwölf, dreizehn Grad. Allein dafür hat sich der Besuch im Hochsommer schon gelohnt. Und das Atmen, das fällt dort unten tatsächlich auffällig leicht. Das ist erst einmal nichts Mysteriöses, denn in Tunneln und Höhlen ist die Luft grundsätzlich sehr rein. Vor Ort wird es allerdings energetischer gedeutet: Man misst dort eine konstante Schumann-Frequenz von 7,83 Hertz, also jene Resonanz, bei der unser Gehirn in den entspannten Alpha-Zustand kommt, und eine sehr hohe Konzentration an negativen Ionen, die mit der Tiefe zunimmt.

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Foto: Mirella Sidro

Die Megalithen, oder: die Kunst des Konjunktivs

Und dann sind da die Megalithen. Riesige Blöcke, von denen es heißt, sie seien künstlich von Menschenhand gefertigt und mehr als 30.000 Jahre alt. Der berühmteste ist K2, ein keramischer Block mit einem Quarzkern, um den sich allerlei rankt. Dieser Quarz soll, so erzählt man, aus Feuchtigkeit und Atemluft Sauerstoff produzieren, weshalb es selbst bei großen Besuchergruppen nie stickig werde. Und er soll, immer noch laut Erzählung, Schwingungen im Ultraschallbereich von 28 Kilohertz abgeben, die unsere Zellen auf „subtiler Ebene massieren“. Als Ägyptologin lege ich an dieser Stelle behutsam die Augenbraue hoch und reiche Ihnen die Wörter „angeblich“ und „soll“ wie kleine Rettungsringe. Es gibt noch einen weiteren Megalithen, K5, deutlich größer, der aber noch zur Hälfte in der Wand steckt. Hält man die Hände über K2, so sagt man, solle man etwas spüren.

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Foto: Mirella Sidro

Energie – Ja oder Nein?

Und hier wird es ehrlich. Beim ersten Mal habe ich nichts gespürt, gar nichts, wie es sich für eine Kritikerin gehört. Dann sind wir noch einmal hingegangen, um die Szene aufzunehmen. Und plötzlich war es da: ein Kribbeln in den Fingerkuppen, als wären es feine Nadelstiche. Ich nahm die Hände weg, und es verschwand sofort. Ich hielt sie wieder darüber, und es kam zurück. Das hat mich, ich gebe es offen zu, erstaunt. Eine Erklärung dafür habe ich nicht, und ich will auch keine vortäuschen, der Ultraschall jedenfalls hat sich mir nicht vorgestellt.

Wasser, das es anderswo umsonst gibt

Im Tunnel gibt es außerdem einen kleinen See mit sehr reinem, mineralreichem Wasser, das verkauft und zum Mischen mit normalem Wasser empfohlen wird. Hier blitzt meine Skepsis wieder auf: Dieses Wasser gibt es ja auch an anderen Orten im Land, wie der zum UNESCO Weltkulturerbe gehörenden Höhle Vjetrenica, in unbegrenzter Menge, kostenlos zu trinken, und niemand muss es dort „neutralisieren“.

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Foto: Mirella Sidro

Meditationskammern und die Frage nach der Heilung

Überall im System sind kleine Meditationskammern angelegt, und tatsächlich haben wir dort Menschen angetroffen, die still saßen und meditierten. Uns wurde erzählt, es kämen regelmäßig Gäste, auch kranke Menschen, die hier wegen der Frequenz Heilung suchen. Und wissen Sie was? Wenn es hilft, warum nicht. Wir wissen aus der Epigenetik, dass wir uns durch unsere Gedanken in erstaunlichem Maße selbst heilen können. Wenn ein Ort wie dieser Menschen dabei unterstützt, dann sollen sie hingehen.

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Foto: Mirella Sidro

Ein Park voller Geschichte

Rund um die Tunnel gibt es schließlich noch einen Park zum Spazierengehen, mit Skulpturen bekannter Persönlichkeiten aus der Geschichte des Balkans. Addis hat mir natürlich „seinen“ Kulin Ban gezeigt, einen der ersten Herrscher Bosniens und der Herzegowina, und einige weitere seiner Porträtskulpturen.

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Foto: Mirella Sidro

Besuchen – Ja oder nein?

Von den Pyramiden selbst bin ich nach wie vor nicht überzeugt, und auch mein Interview mit Osmanagić hat daran nichts geändert. Aber der Besuch in den Tunneln hat sich gelohnt, und zwar so sehr, dass ich sie ganz sicher öfter besuchen werde, einfach wegen dieser frischen, reichen Luft und weil es schlicht riesigen Spaß gemacht hat. Der Spaziergang durch das kühle Labyrinth war ein Vergnügen, gerade bei Hitze überwiegen die Vorteile bei Weitem. Und ich bin ehrlich gespannt, was dort in Zukunft noch ausgegraben wird. Energiegeladen, wie auch immer man das deuten mag, sind wir jedenfalls heimgefahren, zurück zur Kreativität: er zu seinen Skulpturen, ich zu meinem Schreiben.

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Foto: Mirella Sidro

Gut zu wissen:
Tunnel Ravne & Park Ravne 2 in Visoko

Anfahrt Visoko liegt rund 30 km nordwestlich von Sarajevo, etwa 30–40 Minuten über die Autobahn A1. Vom Stadtzentrum Visoko sind es noch wenige Minuten zum Eingang des Tunnelsystems Ravne. Parkplätze der Stiftung sind kostenlos.

Öffnungszeiten (Tunnel Ravne) Erster geführter Einlass um 9:00 Uhr, letzter Einlass um 18:00 Uhr. Mit Meditations-Ticket etwas länger (8:00–19:00 Uhr), die Tunnel werden um 20:00 Uhr geschlossen. Eine Besichtigung erfolgt grundsätzlich mit Guide; eine Führung dauert etwa eine Stunde.

Eintrittspreise (Tunnel, inkl. MwSt.) Geführte Tour: 20 KM (ca. 10 €), für Bürger von Bosnien und Herzegowina 10 KM (ca. 5 €). Meditations-Ticket: 5 KM (ca. 2,50 €) für alle. Nachtbesuch nach Voranmeldung: 40 KM (ca. 20 €) pro Person.

Park Ravne 2 Täglich 8:00–19:00 Uhr, Eintritt frei, Parken und Toilettennutzung kostenlos.

Tipp Drinnen herrschen konstant rund 12–13 °C, also auch im Hochsommer eine leichte Jacke mitnehmen. Festes Schuhwerk ist sinnvoll, der Boden ist teils feucht.

Bitte beachten Preise und Zeiten können sich ändern, vor dem Besuch am besten auf der offiziellen Seite der Stiftung (piramidasunca.ba) prüfen.


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