Arabischer Knigge – charmanter Wegweiser zum Vermeiden von Fettnäpfchen im Oman

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Meine persönliche Erfahrung mit dem Ramadan

Die Omanis sind ein tolerantes Völkchen. Doch so aufgeschlossen sie Dir entgegenkommen, so respektvoll solltest Du ihnen gegenübertreten. Daher ist es ausgesprochen empfehlenswert, dass Du Dich im Vorfeld Deiner Reise in das Sultanat am Arabischen Meer mit den für den Oman typischen Sitten und Bräuchen vertraut machst. Dieser Knigge informiert Dich zu Gepflogenheiten wie dem Händeschütteln, aber auch, was es mit den Fußflächen auf sich hat. Weiterhin tankst Du mit diesem Überblick pures Wissen im Hinblick auf den Genuss von Alkohol, das Rauchen und den Umgang mit Homosexualität. Reise gut informiert in ein traditionelles Land, welches viele positiven Eigenschaften, bei Unwissenheit aber auch ein paar Fallstricke bietet.

Herzliche Begrüßung von Einheimischen

Respekt ist eine der wichtigen Tugenden, die Omanis ihrem Gegenüber entgegenbringen. Sie zeigen sich einer Frau und auch ihrem Begleiter gegenüber zurückhaltend, indem sie darauf verzichten, ihr die Hand zu geben. Vielmehr legen sie ihre rechte Handfläche auf die Herzregion, was von einem wohlwollenden Nicken begleitet wird. Begrüßt Du einen Mann, achte darauf, dessen Hand nicht europäisch fest zu drücken. Andererseits sollte Dein Händedruck aber auch nicht dem eines toten Fischs gleichen. Die übliche Grußformel ist die Abkürzung Salam, welche sich aus „Salam alaikum“ – zu Deutsch „Der Friede sei mit Euch“ – ableitet. Salam wird dabei als „Schalam“ ausgesprochen. Bereits an den dunklen Knopfaugen der Omanis wirst Du ihr aufrichtiges Interesse an Deiner Person erkennen. Halte den Augenkontakt, ohne zu starren (wird bei Frauen als anzüglich gewertet), verzichte auf nervöses Geblinzel und erwidere charmant das Interesse. Wenn Du gefragt wirst, wie es Dir geht, halte Deine Antwort bei unbekannten Einheimischen kürzer. Tiefgründigere Gespräche entwickeln sich erst im Laufe der Zeit, wenn Vertrauen zueinander aufgebaut wurde. Übrigens: Hektik bei der Begrüßung ist unangebracht. Die Omanis sind entspannt und schätzen Dich, indem sie sich Zeit für Dich nehmen. Dank der Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft wirst Du Dich später an wunderbare Begegnungen und im Gedächtnis tief verwurzelte Gespräche zurückerinnern.

Knigge für Hände und Füße sowie Verhalten bei einer Einladung zum Essen

Im gesamten arabischen Raum gilt die rechte Hand als rein. Daher dürfen Gegenstände nur mit rechts übergeben werden und es wird ausschließlich mit der rechten Hand gegessen. Da die linke Hand bei der Toilettenhygiene zum Einsatz kommt, wird sie als unrein gewertet. Du bist Linkshänder? Informiere diskret eine vertraute Person, so dass Du „legal“ den Fettnapf betreten und anders als üblich handeln darfst. Falls Du niesen musst, reagiere schnell und neige Deinen Kopf für den finalen Ausstoß nach links. Schuhsohlen werden im Oman als beschmutzt betrachtet. Zeige nie mit ihnen auf Dein Gegenüber. Auch dann nicht, wenn Du am gedeckten Tisch mit Einheimischen sitzt und Deine Beine unter dem Tisch übereinanderschlägst. Dieser Fauxpas kommt einer groben Beleidigung gleich und wird Dir übel genommen. Wenn Du von einem Omani zum Essen eingeladen wurdest, kannst Du ein kleines Gastgeschenk mitbringen. Gern gesehen sind traditionelle Mitbringsel aus Deiner Heimat, Wohnaccessoires und Pralinen. Berücksichtige jedoch, dass sich aus religiösen Gründen in Deinem Gastgeschenk kein Alkohol befinden sollte. Wasche Dir vor dem Essen und danach die Hände – ein wichtiger Part der rituellen Reinheit. Entferne Dich nach der Mahlzeit recht bald vom Ort des Geschehens. Auch wenn Du wiederholt zum Bleiben aufgefordert wirst, sei Dir bewusst, dass es sich dabei lediglich um eine Geste der Gastfreundschaft handelt.

Genuss von alkoholischen Getränken und Rauchen im Oman

Nach islamischem Glauben ist der Genuss von Alkohol nicht gestattet. Daher gilt auch beim Roadtrip mit dem Mietwagen die Null-Promille-Grenze. In den international positionierten Hotelketten wird Alkohol ausgeschenkt, jedoch benötigen die Hotels dafür eine spezielle Lizenz, die beantragt werden muss. Das Rauchen ist an sämtlichen öffentlichen Orten ebenfalls gänzlich untersagt. Achte auf speziell gekennzeichnete Raucherbereiche, wie Du sie in den meisten Hotels finden wirst.

Verhalten in der Öffentlichkeit

Weil die Omanis ein höchst gesittetes Völkchen sind, gebietet es sich, ihnen Respekt zu zollen und sich in der Öffentlichkeit vornehm zurückzuhalten. Dazu gehört es, auf offensichtliche Zuneigungsbekundungen zu verzichten. Meistens wird das Händchenhalten akzeptiert. Öffentlichen Küssen oder mehr gilt als extrem verpönt. Wenn Du Einheimische fotografieren möchtest, sollte dies nie unerwünscht geschehen. Frage die betreffenden Personen höflich, rechne jedoch damit, insbesondere von Frauen eine Ablehnung zu erhalten. Generell sollte das Nachfragen aber auch selbstverständlich für das Fotografieren von Dritten im Heimatland sein.

Homosexualität im Oman

So offen und fortschrittlich sich das Sultanat einerseits zeigt, so exakt sollten sich homosexuelle Reisende zur Gesetzeslage informieren. Homosexuelle Handlungen sind im Oman verboten und stehen unter hoher Strafe. Laut dem Hinweis des Auswärtigen Amtes droht schlimmstenfalls die Todesstrafe. Theoretisch kannst Du als Homosexueller in internationalen Hotels für gleichgeschlechtliche Paare buchen. Das Verhalten sollte aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen jedoch absolut diskret sein. Verzichte außerdem auf das Zurschaustellen von LGBTIQ-Symbolen und der Regenbogen-Flagge.

Mit offenen Augen, einem aufgeschlossenen Herzen und dem Knigge-Einmaleins wirst Du einen wunderschönen, sicheren Aufenthalt im Oman genießen.

leladjehuti
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„Such Dir eine Aufgabe die Du liebst und Du wirst nie wieder arbeiten müssen.“ Konfuzius hat recht! Schon seit meiner Kindheit immer auf großer Fahrt von Augsburg nach Sarajevo ist diese Leidenschaft fürs Reisen bis heute geblieben. Und das obwohl... [mehr über mich]

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