Wissenswertes zum muslimischen Gebet

Beim Urlaub einer der örtlichen religiösen Institutionen einen Besuch abzustatten, ist heutzutage für Touristen fast schon Standard. In einigen Ländern werden sich auch die Einheimischen an den Anblick diverser Ausländer innerhalb ihrer Heilstätten gewöhnt haben. Als Außenseiter sollte man sich dennoch immer respektvoll verhalten, um den lokalen Gläubigen keine Probleme zu bereiten. 
 
In diesem FAQ erkläre ich euch, wie man im Oman genau dies tut!

FAQ

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Um sich vom heiligen Kodex zum Gebet im Islam ein umfassendes Bild zu verschaffen, ist es wichtig, die Komplexität des Glaubens zu verstehen. Der Glaube ist nicht nur ein Anruf Allahs oder eine Fürbitte, sondern zeigt sich als umfassende Lebenseinstellung. Die Große Sultan-Qaboos-Moschee in Muscat und ihre kleine Schwester in Salalah, die den gleichen Namen trägt, sind die einzigen Gotteshäuser im Oman, die Du als Nicht-Muslime betreten darfst. Für Touristen wurden spezielle Öffnungszeiten eingerichtet, die außerhalb der Gebetszeiten der einheimischen Gläubigen liegen. Somit kommst Du leider nicht in den Genuss eines authentischen Gebets im Islam. Um Dir dennoch unverfälschte Impressionen zu verschaffen, findest Du hier die wichtigsten Aspekte zum Ablauf eines muslimischen Gebets in omanischen Moscheen.

Für Muslime ist ein gepflegtes Erscheinungsbild oberstes Gebot. Die Kleidung bedeckt bei Männern und Frauen gleichermaßen nahezu den gesamten Körper. Dass Du im Oman oft blütenweiß gekleideten Gläubigen begegnest, ist kein Zufall. Sauberkeit ist eines der wichtigsten Grundprinzipien für die Einheimischen. Während Frauen ihre Schultern und das Dekolleté bedeckt halten sowie ihr Haar mit Kopftüchern verhüllen, tragen Männer eine Gebetskappe – die sogenannte Takke, die auf den Propheten Mohammed und seine Sunna zurückgeht. Sie dient der Ehrerweisung Allahs, verkörpert Schutz und Reinheit.

Wudhu heißt die rituelle Waschung, die vor dem Zutritt in die Gebetshalle von den Gläubigen mit reinem Wasser vorgenommen wird. Das Bewusstsein zur Waschung nennt sich Nijja und mit der Basmala erfolgt vorab ein Ausruf im Namen des barmherzigen, gnädigen Gottes. Zum Ritual gehört das dreimalige Waschen von Händen und Handgelenken, das ebenso häufige Ausspülen des Mundes und die Inhalation von Wasser in die Nase mit anschließendem Ausblasen. Es folgen dreimal das Gesicht mit Stirn und das Kinn sowie zunächst der rechte und dann der linke Unterarm – vom Ellenbogen bis zum Handgelenk. Anschließend werden das Haar und die Ohren mit den befeuchteten Händen benetzt. Den rituellen Abschluss bildet die dreifache Waschung des rechten Fußes und Knöchels sowie parallel die linke Seite. Mit einem kurzen Gebetsspruch kann das Waschzeremoniell final beendet werden. Da der Boden der Gebetshalle während des Gebets mit der Stirn berührt werden kann, müssen die Schuhe vor dem Zutritt in die Moschee ausgezogen werden. Dem islamischen Glaube nach wird der Gebetsraum mit dem rechten Fuß betreten.

Männer beten getrennt von Frauen. Die unmittelbare Verbindung zwischen dem Gläubigen und Allah darf während des Gebetes nicht durch ein weiteres Lebewesen unterbrochen werden, damit das Gebet gültig bleibt. Daher ist das Herumlaufen zwischen Betenden nicht erwünscht. Seitlich entlang der Wände der Moschee befinden sich separate Stühle. Sie sind älteren und kranken Menschen vorbehalten. Für das Gebet positionieren sich die Gläubigen in Reihen. Bei Einzelgebeten wird währenddessen nicht gesprochen. Ausnahme: Gläubige rezitieren aus dem Koran, nehmen Lobpreisungen und Bittgebete vor. Im Rahmen des Gemeinschaftsgebets wird die Gruppe von einem rezitierenden Imam, dem Vorbeter, angeleitet. Das Zentralheiligtum des Islams – die Kaaba in Mekka – ist das Zentrum, in dessen Richtung gebetet wird. Vom Oman aus wird daher gen Westen gebetet. Eine Gebetsnische, die sogenannte Mihrab, zeigt diese Himmelsrichtung an. Sie befindet sich an der Rückwand Qibla und ist an der typisch arabischen Torbogen-Form zu erkennen. Beim Gemeinschaftsgebet wird der Vorbeter mit dem Rücken zu den Gläubigen in dieser Nische stehen. Darüber hinaus wirst Du im Inneren einer Moschee Emporen, sogenannte Dikka, finden. Sie dienen den Imamen und Muezzins zu verschiedenen Gebetsrufen. Dazu gehören der Adhan, wie Du ihn öffentlich fünfmal täglich vom Muezzin hören wirst. Außerdem wird mit ihm zum Freitagsgebet gerufen. Mit dem zweiten Ruf Iqama werden die Gläubigen im Inneren der Moschee aufgefordert, zum Gebet aufzustehen. Im Verlauf des Vortrags nimmt der Imam Platz auf einem Kursi, einem erhöhten Stuhl für die Predigt, der gleichzeitig als Pult für den Koran dient. Dieser darf nach der islamischen Tradition nicht auf den Boden gelegt werden. Zum Freitagsgebet wird der Imam von der Minbar sprechen. Hierbei handelt es sich um eine Kanzel, die sich üblicherweise neben der Mihrab befindet. Nach dem Gebet verlassen Gläubige den Raum mit dem linken Fuß.

Für Gläubige sieht der Glaube im Islam fünf Pflichtgebete täglich vor. Sie finden am Morgen, mittags, nachmittags, am Abend und in der Nacht statt. Während des Sonnenauf- und -untergangs sowie wenn die Sonne im Zenit steht, darf nicht gebetet werden. Die Gebete können von jedem beliebigen Ort ausgeführt werden. Es ist jedoch anerkennenswert, die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Muslime zu würdigen und Gebete in einer Moschee zu verrichten. Das Freitagsgebet ist für Männer verpflichtend und für Frauen freiwillig. Es ersetzt an diesem Tag das Mittagsgebet. Für Nicht-Muslime beziehungsweise Touristen öffnen omanische Moscheen in begrenzten Zeiträumen ihre Pforten. Eine Chance, die Du Dir nicht entgehen lassen solltest!

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„Such Dir eine Aufgabe die Du liebst und Du wirst nie wieder arbeiten müssen.“ Konfuzius hat recht! Schon seit meiner Kindheit immer auf großer Fahrt von Augsburg nach Sarajevo ist diese Leidenschaft fürs Reisen bis heute geblieben. Und das obwohl... [mehr über mich]

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